// ELI DIJKERS  //  Jan Klose-Brüdern (Text)

© John Middelkoop

www.elidijkers.com/

 

Wo gehst Du hin, Eli ...?

Einen Fotografen – und besonders so einen künstlerischen wie Eli Dijkers – mit seiner Kamera direkt in Zusammenhang zu bringen, wäre für mich eigentlich ein Sakrileg: Aber in diesem Fall liegt eine Parallele vor, die mich stutzig machte. Auf Empfehlung von Wouter Brandsma (auch ein PxP-Fotograf) nahm ich Kontakt mit Eli auf und war vom ersten Augenblick von diesen Arbeiten elektrisiert. Diese Bilder treffen Emotionen, die man zwar kaum beschreiben kann, die aber stark und sehr persönlich sind. So, wie es mir vor vielen Jahren mit den Arbeiten von Wouter ging; hier schaffen zwei Künstler Fotografien, die ganz offensichtlich eine innere Auseinandersetzung mit der Welt darstellen; eine Kuratorin (Pauline Vermare / INTERNATIONAL CENTER OF PHOTOGRAPHY, NEW YORK) sagte dazu: »A BRILLIANT CATHARSIS FOR THE VIEWERS, A DARK BUT ENJOYABLE TRIP ...« und meint damit ganz offensichtlich die inneren und realen Reisen von Eli Dijkers – aber es trifft genauso die ziellosen Spaziergänge von Wouter Brandsma durch seinen kleinen Heimatort. Aber das ist nicht die einzige Parallele sondern ich fand es erstaunlich, dass beide mit der gleichen Kamera arbeiten: Mit der RICOH GR (... und die benutzte auch schon der legendäre japanische Fotograf Daido Moriyama – das kann doch kein Zufall sein?)

Aber im Gegensatz zu Wouter Brandsma, der eher (im übertragenen Sinn) ›in den eigenen Keller geht‹, um die Welt zu erforschen, geht Eli Dijkers auf Reisen: Indien, Japan ... Metropolen wie Neu-Dehli und Tokio. Er taucht ein in die Welt verschiedener Menschen, um zu erfahren, wie Menschen leben und ›überleben‹. In Japan untersuchte er z. B. ›Gaman‹ – eine in Japan vorherrschende Grundhaltung, um mit dem Leben und auch besonders mit Krisenzeiten fertig zu werden: Geduld, Beharrlichkeit – und meint besonders in Katastrophenzeiten Selbstdisziplin zu bewahren und sein Bestes zu geben. Die Bilder dieser Reise nach Japan zeigt aber keine eifrigen Aufräumarbeiten nach der Fukushima-Reaktorexplosion, sondern forscht in die japanische Seele mit Bildern von Menschen und Orten, wo ›Gaman‹ für Eli Dijkers spürbar wurde. Hoch subjektiv und emotional.

Nachdem Eli Dijkers sein Pharmazie-Studium abgeschlossen hat, einen Doktor in Nuklearmedizin machte, studierte er in Rotterdam an der ›Academy of Photography‹ und wurde Fotograf. Seine Abschlussarbeit ›Temporal Existence‹ war eine persönliche Sichtweise auf Rotterdam, seiner Heimatstadt. In diesem Zusammenhang wurde er einer von 12 ausgewählten Fotografen, die die Aufgabe bekamen eine Dokumentation über die Stadt Rotterdam zu machen.
2013 erweiterte er sein Studium in der Masterclass von Michael Ackermann / Paris sowie durch einen Magnum-Workshop bei Jacob Aue Sobol / Kopenhagen.

Seine Arbeiten werden auf Festivals wie dem ›Copenhgen Photofestival‹ oder ›Noorderlicht / Groningen‹ und in diversen Ausstellungen u. a. im ›Dutch Photography Museum ‹ ausgestellt. Vertreten wird Eli Dijkers durch die Galerie ›Deelen Art / Rotterdam.

 

Im Jahr 2013 entstand in Folge einer Reise nach Indien die Bildserie ›Enigma‹ in Form von Ausstellungen und einem Buch. Bilder, die im Ansatz vielleicht dokumentarisch sind aber in der Form eher beängstigen als erklären: »Ich liebe die Menschen, aber ich verstehe sie nicht ...« sagt Eli in einem Video-Interview. Und genau dieses Rätsel steckt in dieser Serie. Der Fotograf, der immer wieder hinschaut, auf den Auslöser drückt und Bilder schafft, die ihm und uns die Welt erklären sollen? ... »Nach meiner ersten Ankunft auf dem Dehli-International-Airport ging ich zu Fuß in die Stadt. Im Grunde war ich nicht in einem Flugzeug dorthin gelangt, sondern in einer Zeitmaschine. Ich war im Mittelalter gelandet: Ein Jugendlicher, der auf Händen und Füßen sich fortbewegt – wie ein Tier. Sein Rücken gebrochen wie ein dünner Zweig. damit sein Einkommen als Bettler sich erhöht. In Indien lauert der Tod direkt am Straßenrand aber gleichzeitig scheint manch einfacher Rikscha-Fahrer glücklicher zu sein, als die meisten Menschen in Europa.«

Nicht alle Aufnahmen entstehen unterwegs. In machen Serien, wie in der folgenden ›Silent River‹, wechseln nicht nur die Orte, sondern es schleichen sich inszenierte Porträts und Aktaufnahmen in die Serien. Und so gegensätzlcih scheint auch die Form: Roh und zärtlich verdichten sich die Bilder zu einer hochemotionalen Poesie. Damit nähern wir uns dem Grundthema ›Mensch‹ immer wieder aus anderen Blickwinkeln.

Über seine eigene Arbeit sagt Eli Dijkers: »Mein Ziel ist es Menschen zu bewegen, wie es Musik schafft. Mit meiner Fotografie erforsche ich Menschlichkeit wie ich sie erfahre. Meine Bilder sollen gefühlt werden und nicht auf einer kognitiven Ebenen ›funktionieren‹. Indem ich die Bilder in Schwarz/Weiß, grobkörnig, hart und teils unscharf mache, erzeuge ich eine Parallel-Welt in der Licht und Dunkelheit nebeneinander bestehen ...«

Dabei arbeitet er direkt intuitiv – in enger Verbindung zu seiner Umwelt und zu den Menschen, die er fotografiert.

›Interrupted Dreams‹