// JACEK BOGUSZEWSKI  //  Jan Klose-Brüdern (Text)

 

THETAGRAPHY … Als ich vor einiger Zeit für die neue THETA V einen Artikel schreiben musste, habe ich mir versucht ein Bild zu machen, wie ernsthaft denn mit dieser und den bisherigen THETAS gearbeitet wird. Gedacht ist diese Kameragattung logischerweise für das schnelle und umkomplizierte Erstellen von 360°-Bildern und -Videos – also THETAGRAPHIEN, wie ich sie hier nenne – die im Netz genutzt werden sollen. Also habe ich auch genau dort gesucht: Facebook, Instagram aber auch direkte Seiten von Immobilienmaklern, Journalisten (meist Reportagen und Reiseblogger) und Anwendungen bei Google-Streetview. Und das scheint mir nur die Spitze eines ungeahnten Eisbergs zu sein. Aber wo sind die Künstler, die Fotografen? …

Generell muss man sagen: Sie sind nicht wirklich leicht zu finden. Die wenigen, die sich mit der besonderen Ästhetik dieser neuen Sichtweise auseinandersetzen, denken erstaunlicherweise nicht in den klassischen Kategorien die zur Vermarktung von Kunst dazugehören:
FineArt-Print, Ausstellungen, Galerien … sie fühlen sich als Pioniere und veröffentlichen auf Instagram & Co. Sie suchen Gleichgesinnte und tauschen sich über Techniken und Verbesserungsmöglichkeiten aus. Sie kommen aus Nischen, die im Kunstmarkt so noch nicht wahrgenommen wurden.

Als ich dann zur IFA 2017 eine kleine Ausstellung mit einigen dieser THETAGRAPHEN machen durfte, habe ich sie auch persönlich kennengelernt. Und daraufhin beschlossen, Sie hier vorzustellen.

›VRCIDDY … die Welt um mich herum‹

 

Der erste dieser Fotografen, den ich hier vorstellen darf, ist Jacek Boguszewski: Fotograf und Designer aus Hamburg. Ausgebildet ist er als Kommunikationsdesigner. Das bedeutet: Er ist darauf geeicht jedes Medium in seiner Funktion zu hinterfragen und es im Sinne einer Kommunikationsaufgabe zu nutzen. Das erklärt, warum er sich im Grunde gar nicht als Künstler fühlt. Obwohl er seit Anfang Mai 2017 ein Projekt bearbeitet, das definitiv ein frei-künstlerisches ist: Er lotet sein Verhältnis zu seiner nächsten Umgebung, seiner Heimat, in einer Bildform aus, die man als Bearbeitungsform von 360°-Bildern kennt: Er macht Little-Planets seiner direkten Umgebung. Eine erste Assoziation, die sich bei dieser Bildform aufdrängt, ist immer wieder ›Der Kleine Prinz‹, der sich auf den Weg macht, die Welt zu entdecken. Nur ist in diesem Fall der kleine Planet von Jacek Boguszewski die komplexe Millionenstadt Hamburg. Und die komponiert er in strengen, meist finsteren Bildern.

Einer der Jobs, mit denen sich Jacek intensiv auseinandersetzt, ist die Arbeit in einem sehr speziellen ›Fotostudio‹. Mit 110 DSLR-Kameras werden z. B. extrem hochauflösende Porträt-Scans erzeugt, die später als Datengrundlage für 3D-Prints dienen. Ein hoch-technisches und komplexes Unterfangen, das schlussendlich nicht in klassischen Fotografien endet. Dies erklärt wiederum auch die offene Art mit neuen Aspekten der Fotografie umzugehen. Denn soviel ist klar: Thetagraphie ist nicht einfach so eine neue Mode innerhalb der Fotografie, sondern erfordert zumindest für klassische Fotografen ein krasses Umdenken: Die Wahl des Ausschnittes entfällt – man kann die Komposition nicht auf einer Mattscheibe oder im Sucher kontrollieren und ein Bild kann später sehr unterschiedliche Formen annehmen: Entweder rein virtuell als interaktive Bilder oder Videos oder als Little-Planets, Mouseholes, Mirrorballs etc.. Dazu kommt noch, dass man die Augen auch hinten und vor allem oben und unten haben muss – unfassbar, wie viel Himmel und Erde ein Bild bestimmen können.

Entwickelt man ein Feingefühl für die Formen und Strukturen der Umgebung, kann man das Thema ›Mensch und Umgebung‹ extrem verdichten. Jacek Boguszewski lässt sich dabei mal umrahmen und auch erdrücken … es wird ein großstädtisches Räderwerk inszeniert, wie man es so noch nie gesehen hat. Vom ›Kleinen Prinzen‹ zu Fritz Langs ›Metropolis‹ …

So ist diese ungewöhnliche Bildform ›Little-Planet‹ zu einem Thema gekommen, dass den Verdacht der oberflächlichen Spielerei vergessen lässt. Das erkennt man auch, wenn man Jacek direkt bei der Arbeit zusehen kann, was ich bei einem Berliner Treffen erlebt habe: Die Kamera muss am richtigen Ort stehen, die Umgebung wird ganz genau analysiert, die Wirkung von Licht und Farben wird schon im Vorherein kalkuliert und erst dann wird das Bild am Ende sehr detailiert entwickelt und bearbeitet. Erst so entstehen die Bilder dieser Serie, die vermutlich noch eine Weile wachsen wird … denn zu dem Konzept gehört auch dazu: Jeden Tag ein neues Bild … zu sehen auf Instagram unter > VRCIDDY.