// LAMBERT HEIL  //  Jan Klose-Brüdern (Text)

Als vor mehr als 180 Jahren die Fotografie durch verschiedene Erfindungen aus der Taufe gehoben und durch die Akademie der Wissenschaften in Paris veröffentlicht wurde, war das Festhalten des Sichtbaren eine Revolution und das große Faszinosum dieser Erfindung. Heute mag man das fast vergessen, wenn Bilder täglich in milliardenfacher Anzahl eher zu einem Bilderstrom werden aber der Kern der Fotografie besteht immer noch aus dem Beobachten und Festhalten. Das wird schnell klar, wenn man sich mit Lambert Heil unterhält:

›Tiere im Lebensraum‹

Für Lambert Heil ist das Beobachten, das Betrachten und das Analysieren der Natur, der Kern seiner Arbeit. Und Natur bedeutet dann immer: Der Teil unserer Umwelt, der weitestgehend frei von sichtbaren menschlichen Einflüssen den ›natürlichen‹ Lebensraum von Tieren darstellt. Und in diesem natürlichen Lebensraum stellt er seine Beobachtungen an und hält sie fest – aus persönlichem und beruflichem Interesse. Denn Lambert Heil studierte Lehramt für Biologie und ist daher Vermittler und Zoologe in einer Person. Und das zeigt uns, dass Fotografie noch die weitere Dimension beinhaltet, die für ihn immer sehr wichtig war: Erst durch die Fotografie kann Beobachtung wissenschaftlich ausgewertet werden und gleichzeitig ist es für die Wissenschaft ein ideales Mittel der Vermittlung.

Das klingt aber angesichts dieser ästhetischen Fotografien nicht wie die Vorstellung eines Fotografen, wie man es auf der PxP-Site eigentlich erwarten darf. Aber für jemanden, der in seiner täglichen Arbeit Betrachter für sein Thema gewinnen muss, ist das simple Strategie: Erst das ästhetische Bild, der Reiz des besonderen Moments, lenkt den Blick von Schülergruppen, Safari-Reisenden, Lesern und Betrachtern diverser Publikationen auf das Thema: Tiere und deren Verhalten in ihrem natürlichen Lebensraum.

Aber wie wird man – sagen wir es mal salopp – vom Bio-Lehrer zum Spezialisten für Tierfotografie? ... und könnte ähnlich salopp antworten: » ... langsam und zufällig.« Denn der Werdegang von Lambert Heil ist zwar durchaus zielgerichtet aber – wie wir das ja schon von vielen Fotografen kennen – nicht geplant. Am Anfang stand der inhaltliche Input eines Biologie- und Pädagogig-Studiums. Aber schon während der Zeit des Studiums reiste Lambert Heil mit einem engen Freund in die Lebensräume von Tieren, die er nicht nur aus dem Zoo und Büchern kennen wollte: Indien, Alaska, ... und Afrika. Und das dann immer wieder. Anfangs teilten sich die beiden eine geliehene Kamera und brachten Dias mit nach Hause, die ganz offensichtlich die Liebe und Faszination zum Thema ›Tiere in ihrem Lebensraum‹ prächtig transportieren konnten. Denn es führte dazu, dass zunehmend Freunde und dann immer größere Kreise ein Interesse daran zeigten, mitzukommen, sich im wörtlichen und übertragenden Sinne ›mitnehmen zu lassen‹.

Und das führte nach dem Studium direkt zu einer Geschäftsidee: Die beiden gründeten ein Reiseunternehmen, das darauf spezialisiert ist, Fotoreisen für Tierfotografie (??? ... oder schlicht Tierreisen? ... aber dann funktioniert der Text hier nicht) anzubieten. Klingt ein wenig nach ›fliegendem Klassenzimmer‹ und kommt dem vermutlich auch nahe. Denn Lambert Heil ist eines wichtig: So, wie der Sportfotograf den perfekten Augenblick nur erfassen kann, weil er die Regeln der Sprotart kennt, so kann der Tierfotograf ein Tier nur dann richtig erfassen, wenn er etwas über die Regeln der Natur weiß. So ist eine Fotosafari keine reine fotografische Technik-Lehre, sondern ein komplexes Wissen aus Naturkunde und Kameratechnik.

 

Aber die Tätigkeit der beiden Reiseunternehmer in Sachen ›Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum zu erleben‹, war eigentlich nur ein kleiner Teil der heutigen fotografischen Basis. Denn als ein weiteres Betätigungfeld kamen redaktionelle Tätigkeiten für ein Reisemagazin dazu. Und dort fehlten (auch das haben wir schon von anderen Fotografen gehört) prickelnde Bilder. Und so brachte Lambert Heil von den nächsten Reisen gezielt Bildmaterial mit, das diesmal nicht nur der Eigenwerbung für das Reiseunternehmen dienen sollte, sondern Tierreportagen aus Afrika illustrieren sollte. Ab da wurde auch ins Kameraequipment investiert und so entstanden schon vor vielen Jahren die ersten Kontakte zu PENTAX. Denn was die Ansprüche an die Ausrüstung anlangt, war durch mehrere Jobs als Berater und Location-Scout für Filmproduktionen klar.

 

Tiere in ihrem Lebensraum zu fotografieren erfordert also nicht nur die oft besungene elegische Geduld sondern auch das Wissen, wie die Regeln der Natur so funktionieren, wie sich Tiere verhalten (und viel wichtiger: Wie sie sich verhalten werden) und am Ende natürlich auch das Beherrschen der Kameratechnik. Dazu gibt es ein Buch, an dem Lambert Heil entscheidend mitgearbeitet hat:

›Die Fotoschule in Bildern‹
→ vom Rheinwerk-Verlag (ISBN 978-3-8362-4250-9)

 

Um das Bild des Fotografen Lambert Heil aber nicht nur auf seinen Schwerpunkt ›Tierfotografie‹ zu beschränken: Mit dem Genre ›Tierfotografie‹ ist das Reisen untrennbar verbunden. Und bei allem zoologischen Fachwissen ist ein Fotograf ein Augenmensch. Das Erleben unserer Umwelt ist auf Reisen bekanntlich intensiver als in unserer täglichen Umgebung und daher entstehen neben den Tierbildern auch viele Serien zu den Reisezielen – Landschaftsaufnahmen und Reisereportage. Hier ein kleiner Auszug aus verschiedenen Ecken der Welt, in die Lambert Heil verschlagen hat: