… zurück zum Ursprung: Malen mit Licht!

// MARCEL FUHRMANN  //  Jan Klose-Brüdern (Text)

Sorry, dass ich so schulmeisterlich anfange, aber kein  anderer Bereich der Fotografie ist dem Namen PHOTOGRAPHIE näher als das Lightpainting … mit Licht (griechisch ›Photos‹) malen (griechisch ›graphein‹). Und daran muss ich immer wieder denken, wenn ich die Arbeiten von Marcel Fuhrmann sehe: Da steht einer im stockdunklen Studio nur mit einer oder mehreren Lichtquellen in der Hand und einem Plan im Kopf, wie das ›Lichtgemälde‹ nachher aussehen soll … und schafft mit Hand- und Körperbewegung abstrakte Bildwelten oder choreographiert Models wie Draperien und inszeniert sie mit Licht und Bewegung. Und heraus kommt: Jean Michelle Jarre oder Mike Oldfield für die Augen. Warum nicht Techno? … ich vergleich die Arbeit eher mit den hoffentlich nicht vergessenen Altmeistern der analogen Synthesizer-Musik, weil die mehr oder weniger auch noch ziemlich direkt mit den elektroakustischen Wellen gespielt haben und ganz manuell Potis gedreht haben – und nicht am Rechner digitale Daten zusammenkomponiert haben.

Und beim Lightpainting wird auch noch relativ analog der ›Lichtpinsel‹ geschwungen und ob am Ende die Bilder auf einem Film oder wie bei Marcel Fuhrmann auf dem Sensor einer PENTAX K-3 oder THETA V landen, ist eher nebensächlich: Das Bild entsteht aus farbigem Licht, also elektromagnetischen Wellen und der Bewegung von Akteuren. Und etwas, was Marcel sehr wichtig ist: Die Bilder werden nachher nur entwickelt und nicht weiter bearbeitet. Also elektronische Bildverarbeitung auf dem Niveau klassischer Laborarbeit …

 

»… eigentlich fühle ich mich nicht als Fotograf.«

… sagte Marcel Fuhrmann, den ich zur Internationalen Funkausstellung getroffen habe, da er auf dem Messestand von RICOH IMAGING einige seiner Bilder ausgestellt hat.

 

 

Denn im Gegensatz zu vielen anderen Fotografen spricht er kaum über seine Kameras: Seine Ausrüstung sind eher Taschenlampen, LED-Lichter, selbst gebaute Lichtbänder, Strobos … oft Gadgets aus 1-Euro-Läden, die er umbauen oder ›frisieren‹ muss.

Seine  Kamera? … die muss einfach perfekt aufzeichnen und möglichst leicht zu bedienen sein: Also auch im Dunklen. Oder sie muss eine Langzeitbelichtung ermöglichen. Ist für DSLR-Kameras ohne Frage selbstverständlich: Aber bei 360°-Vollsphärenkameras ist das erstaunlicherweise nur der THETA vorbehalten. So kamen wir zueinander. Und trotzdem war das Gespräch relativ fix bei ganz technischen Dingen, denn Marcel hat diverse Ideen im Kopf, für die er technische Informationen am Messestand abfragen wollte: Wie löst man synchron zwei THETAS aus, um Stereo-Videos herzustellen? … wie kann man Viewer manipulieren, um 360°-Bilder in 3D-Brillen auch räumlich erlebbar zu machen? (… und schon war einer unserer japanischen Entwickler auf der Suche nach Kollegen auf den Messeständen der Brillen-Hersteller) … also Technik spielt schon eine wesentliche Rolle, auch wenn man als Lightpainter eher ›Maler‹ ist.

Die Arbeiten, die bei Mafu Fuma Lightpainting – so der Künstlername unter dem Marcel Fuhrmann bekannt ist –  im Berliner Studio entstehen, sind immer eine Kombination aus Konzept und Zufall. Oder anders ausgedrückt: Der Zufall ist eingeplant. Es beginnt mit einer Idee, einer Grundvorstellung des späteren Bildes und wird dann in mehreren Schritten durchgeführt: Das Studio ist durch seine Spezialisierung zwar immer vorbereitet, aber Auswahl der Lichtpinsel, die Choreographie und oft auch die Bewegung der Kamera müssen vorbereitet sein. Denn Marcel sieht seine Arbeit nicht nur als das spätere Bild-Dokument sondern als Erlebnis, als Performance. Auch, wenn sich in der Regel die Aktion nur auf 30 bis 180 Sekunden beschränkt, so ist ein Lightpainting immer das Festhalten einer kleinen Dramaturgie mit den bekannten Begriffen des Theaters: Bühne, Inszenierung, Ablauf, Regie … nur, dass der Akteur oder die Darsteller das Bühnenbild erst während der Aktion erschaffen und das im Grunde auch das Ziel der Aktion ist. Spannend ist dabei, dass die Aktion immer in einem Wechsel aus Licht und absoluter Dunkelheit stattfinden muss: Das Posing der Models oder Verrücken der Kamera erfolgt in absoluter Dunkelheit und erst dann entstehen die Lichtchoreographien – und das oft in einem komplexen Wechsel, der eine klare Planung voraussetzt. Wobei die rationale Vorbereitung nur einen Rahmen für den Ablauf vorgibt, der dem Zufall logischerweise den Raum bietet: wie im Einzelnen das Zusammenspiel der Lichter, der Bewegungen, der Reflexe und der Gegenlichtsituationen am Ende ein gutes oder schlechtes Bild ergibt, ist niemals ganz vorauszusehen …

Die Antwort auf die Fragen »Wie kommt man dazu Lightpaintings zu machen?« war im Ansatz verblüffend: Wie bei so vielen anderen Fotografen gab es die Fotophase im Teenager-Alter, die aber noch keine echte Ambition dargestellt hat. Und den oft zitierten Impuls durch den Kauf einer Kamera, als das erste Kind geboren wurde … die Anfänge also als Familiendokumentar. Dann kam ein bisschen Streetfotografie (liegt bei Großstadtmenschen einfach nahe) – aber dann? Marcel Fuhrmann ist ausgebildeter Tontechniker, hat als Musikproduzent ein eigenes Musikstudio und somit ohnehin einen Hintergrund in der Kreativ-Szene, bei der Bühne und Licht eine Rolle spielen. Als Ausgleich zu seiner Arbeit begann er ursprünglich beim Fotografien auf der Straße mit langen Belichtungszeiten zu spielen, um dass dann mit Kerzen zu Hause weiterzuführen. Und damit war das Feuer schlicht entfacht …

Dieses Feuer führte 2016 zu einer Ausstellung, die er mit dem Kollektiv ›Aurora Movement‹ (mit Gunnar Heilmann und Sebastian ›Buschi‹ Vogel) entwickelt hat. Denn für Mafu Fuma ist Lightpainting eine Form von Aktionskunst, die hervorragend im Team funktioniert.

Heute betreibt er neben seinem Musikstudio mit einigen Freunden ein Lightpainting-Studio und entwickelt gerade Konzepte für Lightpainting-Workshops. Denn neben der Arbeit als Lightpainting-Fotograf an sich ist es für ihn auch ein riesiger Spaß »andere Menschen in diese einzigartige Welt aus Licht und Dunkelheit zu entführen«

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Porträtfoto: © Kim Von Koels