»Die Außenseite eines Menschen ist das Titelblatt des Innern.« ... persisches Sprichwort.

// PASCAL TRIPONEZ  //  Jan Klose-Brüdern (Text)

 

»Ich habe schon fotografiert, als an Bartwuchs noch gar nicht zu denken war ...« sagt Pascal Triponez und wenn man den Bart so sieht, dann fotografiert er schon sehr, sehr lange ...

Tatsächlich machte Pascal Triponez schon als Grundschüler mit der Kamera seines Vaters erste Fotoerfahrungen und absolvierte bereits als 10-Jähriger eine einwöchige Visite bei einem Fotografen. Den Eltern gefielen die Bilder, die der Sprößling dort nicht nur fotografiert, sondern auch selbst entwickelt hat, und hingen die Bilder an die Wand. Das war wohl der Anfang einer Karriere. Aber es gibt auch eine weitere Neigung, die Pascal Triponez schon damals entwickelte und die noch heute bestimmend ist: Er schrieb Kurzgeschichten und zeichnete dazu Bilder. Jetzt könnte man meinen, damit wäre der weitere Verlauf geklärt. Aber tatsächlich folgte später erst mal eine kaufmännische Ausbildung, die aber dann doch in die Werbung führte. Dort entflammte die nie ganz verloschene Glut wieder und aus dem Planer wurde ein Producer und aus dem Producer letztendlich wieder der Fotograf. Seit 2015 arbeitet Pascal Triponez ohne die nebenberufliche Absicherung in einem Zweitjob und ist sich auch sicher, dass er das nie bereuen wird. Die Themenschwerpunkte des Schweizer Fotografen aus Bern sind: People, Mode, Storytelling ...

www.PascalTriponez.ch

 

›People, Mode, Storytelling ...‹

Wohl kaum ein anderer Bereich der Fotografie balanciert so gekonnt zwischen Kunst und Kommerz, wie die Modefotografie. Liegt es daran, dass Mode schon für sich genommen Kunst ist? ... der Traum des Menschen sich auszudrücken, sich zu präsentieren, Rollen zu spielen und sich zum Darsteller seiner eigenen Geschichte zu machen? ... diese Geschichte sogar selbst zu erfinden und seine Rolle mit jedem Umziehen neu zu gestalten?

So gesehen ist der Fotograf der Regisseur, der diesen Rollen eine Bühne gibt und der Autor, der die Geschichte zu den Rollen schreibt. Denn eine Modestrecke in einem Lifestyle-Magazin ist eine Geschichte. Z. B. die Geschichte einer jungen Frau, die Hamburg besucht. Bei Schmuddelwetter und Kälte. So wie junge Frauen halt (be)suchen und sich in der Welt umschauen.

Der Fotograf entwickelt also aus seiner eigenen täglichen Beobachtung nicht nur ein Porträt der fotografierten Darsteller, sondern damit auch ein Porträt des Zeitgeistes, was wir heute eher als Lifestyle beschreiben würden. Denn erst wenn dieser Punkt genau getroffen ist, macht es bei den Betrachtern das notwendige ›Ping‹ das zur Identifikation mit den gespielten Szenen führt; genau diese Identifikation erzeugt am Ende den erwünschten Reiz auch genau so auszusehen und ›Ping‹ sind wir beim Kommerz. Aber was so ein wenig simpel und etwas lakonisch daherkommt ist gekonntes Erzählen von Geschichten. Die Szene, die sich zusammensetzt aus Bühnenbild, Licht und menschlicher Stimmung und so glaubwürdig sein muss, dass wir vergessen, dass alles nur gespielt ist. Denn das ist es, was Pascal Triponez so an der Fotografie reizt: Das Spiel mit den Emotionen ...

Den Balance-Akt der Modefotografie erkennt man auch schon daran, dass Pascal Triponez ganz selbstverständlich zwischen freien und beauftragten Projekten wechselt. Es ist eine selbstverständliche Wechselwirkung zwischen Kunden und Fotograf durch eigene Projekte immer wieder seinen Ideen und seine Erzählfreude und seinen gestalterischen Erfindungsreichtum zu zeigen. Daher ist er immer wieder auf der Suche nach ausdrucksstarken Locations, spannenden Darstellern und probiert seine Sprache immer wieder neu aus. Gleichzeitig entstehen immer wieder Ideen, die sich dann mit diesen Locations und Menschen verknüpfen – oft basierend auf Moodbildern, die eine selbstverständliche Inspirationsquelle sind.

Dabei sind die Settings von Mensch & Raum immer wieder sehr unterschiedlich. So unterschiedliche wie die Räume, die Stimmungen und logischerweise wie die agierenden Menschen. Vor und hinter der Kamera. Oder auch durch die unterschiedliche Postproduction, die Pascal Triponez in der Regel nicht aus der Hand gibt. Denn auch die spätere Nachbearbeitung ist ein wesentlicher Baustein des heutigen Storytellings. Mal wird etwas mehr an den Reglern gedreht, mal weniger. »Aber hochkomplizierte Composings, sind nicht mein Ding – das geht immer zu Lasten der gefühlten Geschichte ...«

Bei der Serie ›Junger Mann mit Brille‹ war die Entstehung völlig ungeplant: Porträts bei Instagram entdeckt und per Mail Kontakt aufgenommen. Paar Tage später in München getroffen und ohne Hair&MakeUp-Styling losgelegt. »Manchmal liebe ich es einfach mal so loszulegen ...«

Die Location für die Schwimmbad-Serie hat ein Jahr Suche erfordert. Das kann schon mal vorkommen. Glücklicherweise waren die Models schneller gefunden. Die Bilder gehören zu zwei Fashion Editorials: ›Pure Shore‹ und ›Dry Lands‹.

»Die meisten Auftraggeber buchen mich wegen meines Looks ...« – das hat die erfreuliche Nebenwirkung, dass Pascal Triponez zwar im Vorfeld so manches Detail mit den Kunden festlegt aber am Set dann weitestgehende Freiheit hat.  Denn die Kunden wissen durchaus, dass diese Freiheit am Ende genau das entscheidende Quäntchen Qualität erzeugt, was eine erlebte von einer geplanten Produktion unterscheidet.

 

Die Serie unten entstand als Kundenauftrag des Labels ›Love Your Neighbour‹. Und ganz unten: Pascal Triponez fotografiert von Patrick Citera/Berlin.