AUTOR // FRANK BAESELER

 

Frank Baeseler lebt in Güby an der Schlei und beschäftigt sich u. a. intensiv mit experimenteller Fotografie. Seine beruflichen Stationen reichen vom Inhaber einer Werbeagentur in Hamburg über einen langjährigen Auslandsaufenthalt in England bis hin zur Lokalisierung englischsprachiger Computer- und Fotoliteratur.  Ganz aktuell hat er die ›Squeezerlens‹ entwickelt, die unter Verwendung teilweise klassischer Analog-Objektive besonders im Zeitalter der digitalen Fotografie neue Möglichkeiten der Gestaltung und Effekte bietet.

 

 

Der Weg zur Squeezerlens ...

Vor mehr als 100 Jahren entwickelte sich unter Fotografen, die das Medium Fotografie als wichtiges und eigenständiges künstlerisches Medium betrachteten, eine Kunstrichtung, die auch heute noch als besondere Form der experimentellen Fotografie Anhänger findet: Der Piktorialismus.

Der Piktorialismus will die Fotografie von ihrem ›Geburtsfehler‹ – der objektiven und mechanischen Genauigkeit – befreien und strebt nach der für die Malerei typischen Subjektivität, nach weichen Konturen und ›künstlerischer Unschärfe‹. Fotografen gehen formell gewagt vor und arbeiten mit Weichzeichnung, Spezialobjektiven sowie zeichnerischer, grafischer oder malerischer Nachbearbeitung der Aufnahmen. Beeinflusst wird dieser Neue Piktorialismus von großen Fotografen der vorvergangenen Jahrhundertwende wie Robert Demachy, Alvin Langdon Coburn, Frank Eugene, Edward Steichen und Alfred Stieglitz.

Aus dem Beweggrund der Fotografie das technisch Kalkulierbare zu nehmen und wieder eine subjektive Komponente, die auch dem Zufall Platz gewährt, zu schaffen, wurde ein neuer Objektivtyp entwickelt: Die Linse ist frei beweglich, weil sie lediglich durch eine Gummimuffe mit der Kamera verbunden ist. Der Fotograf muss also mit der einen Hand die Kamera halten, mit der anderen die Linse bewegen. Objektive diesen Typs gibt es unter verschiedenen Namen. Am bekanntesten ist das ›Lensbaby‹. Die hier vorgestellten Projekte sind allerdings teils mit selbstgebauten Konstruktionen (Thomas Püttjer) oder mit einer Konstruktion von Frank Baeseler, der ›Squeezerlens‹, gemacht worden. Frank Baeseler verwendet in der Regel klassische Linsenkonstruktionen, die als Projektor-Objektive oder in anderen Anwendungen bekannt geworden sind.

»Zu irgendeinem Zeitpunkt wurde mir persönlich das digitale fotografische Abbild zu perfekt, ja, – fast zu gewöhnlich. Wegen der vielen durchaus sinnvollen Automatikfunktionen blieb für mich eigentlich nur noch die Bildkomposition und die Kommunikation mit der ins Bild gesetzten Person (sofern vorhanden) übrig. Um jedoch für mich bildwichtige Elemente hervorzuheben, musste ich in die mehr oder weniger automatischen Abläufe meiner Digitalkamera manuell eingreifen, beispielsweise mit der Schärfeverlagerung über Blende und Schärfeebene. Das funktioniert relativ gut in der Dimension Tiefe, also geradewegs vom Vorder- in Richtung Hintergrund. Ein diagonaler Schärfeverlauf wie im fertigen Bild von vorn links nach rechts hinten ist mit normalen Objektiven leider nicht zu erzeugen. Ebenso verhält es sich mit einer Schärfeverlagerung von links nach rechts bei gleichen Abständen. Ich wollte diese Gegebenheiten einfach nicht hinnehmen, aber auch nicht gleich einen Tausender und mehr für ein fertiges Tilt/Shift-Objektiv auf den Tisch legen.

Ein weiteres Kriterium für mich ist die Unschärfe selbst, das Bokeh. Besonders bei den älteren Objektivrechnungen ist das Bokeh häufig interessant bis überwältigend. Also entwickelte ich mein eigenes Tilt-Objektiv, die ›Squeezerlens‹. Zuerst für DSLRs im Crop- und Vollformat und nun auch für das Mittelformat. Eigentlich bin ich permanent am Basteln, Probieren und Fotografieren. Die Ergebnisse beflügeln mich stets zu neuen Tüfteleien. Meine hier gezeigten Bilder sollen die unterschiedlichen Anwendungsbereiche der ›Squeezerlens‹ demonstrieren, während die Aufnahmen der anderen angeführen ›Squeezer‹-Fotografen bereits sehr eigenständige Stilrichtungen  aufzeigen.«

Frank-Baeseler-squeezerlens

Die ›Squeezerlens‹ für das Mittelformat ist ein kompaktes und optisch hochwertiges Biege-Objektiv. Es besteht aus einem Balgen und dem klassischen vierlinsigen Leitz Hektor 120mm f2.5.  Dieses Objektiv wahlweise mit Anschlüssen für Pentax 645, Pentax 67 und andere Mittelformatkameras ist relativ preiswert verfügbar.

Thomas Püttjer

Die folgenden Bilder stammen aus einer Serie, die Thomas Püttjer mit einer Squeezerlens auf Mallorca gemacht hat. Später entwickelte er die Idee der Squeezerlens weiter und baute eine arretierbare Version, um einerseits den Effekt präziser steuern zu können und andererseits, um auch Langzeitbelichtungen zu ermöglichen.

00a-Thomas-Puettjer-Squeezerlens

Jörg Oestrecih

Um die Anforderungen von Fotografen zu ermitteln, entstand eine enge und freundschaftliche Zusammenarbeit mit dem Flensburger Fotografen Jörg Oestreich. Hier einige Arbeiten aus der Serie ›sentiments‹.