// STEFFEN BÖTTCHER

→ GALERIE

Seit Steffen Böttcher vor einigen Jahren seinen Job im Agentur-Hamsterrad aufgab, lebt er seinen eigenen Traum vom reisenden Fotografen, der Geschichten sammelt und erzählt. Begann sein Blog ›stilpirat.de‹ als kleines persönliches Tagebuch, avancierte dieser Fotografie-Blog im Laufe der Zeit zu einem der meist gelesenen Deutschlands mit weit über 100.000 Besuchern monatlich. Mittlerweile lebt Steffen Böttcher von seinen Fotografien und Geschichten und veröffentlichte in den letzten Jahren diverse Bildband-Reiseberichte.

www.stilpirat.de

 

Abenteuer Vietnam ..

Schon im vergangenen Jahr hatten wir anlässlich der photokina 2016 die Serie ›FOG‹ vorgestellt (siehe unten). Die war auf einer Recherche-Tour durch Nord-Vietnam entstanden. Dort macht Steffen Böttcher immer wieder Workshops der besonderen Art: Kleine Gruppen, ausgefallene Aufgaben und individuelle Betreuung. Ein Ergebnis dieses intensiven Reprotage-Workshops ist Ende 2016 als Buch erschienen: → Inside Vietnam. Hinter diesem Link steckt nicht nur eine Beschreibung (und Bestellmöglichkeit) für das Buch, sondern auch sehenswerte Videos der einzelnen Workshop-Teilnehmer und deren begeisternswerte Reportagen.

Da Steffen Böttcher dieses Land aber offensichtlich noch nicht so recht loslassen will, ergänzen wir die einzelne Serie ›FOG‹ hier mit Bildern, die – wie in diesem Fall – auf weiteren Touren 2017 entstanden sind.

›FOG‹

Im Nebel ruht die Welt. Der Norden Vietnams verhüllt sich gern mit ihm, so als wolle er etwas beschützen. Und alles wird seltsam still. Wenn du dir die Zeit nimmst, wirst du sehen warum er es beschützen will. Wie oft habe ich innegehalten und ihn bewundert, wie er langsam durch die Dörfer zieht und in gleichem Maße Schönheit und Tristesse verstärkt. Ich beobachtete, wie er die Landschaft verändert und meine Sinne schärft. Er verdichtete meinen Blick und meine Erlebniswelt. Er machte die Motive überschaubar, separierte Wichtiges von Unwichtigem und schrieb einen visuellen Soundtrack in die Landschaft, sanft weich und gewürzt mit etwas Wehmut.

Mir war Anfangs nicht klar, wohin meine fotografische Reise in Vietnam gehen sollte. »Hab Geduld, das Thema wird dich finden«, sagte ich oft zu meinen Begleitern und hoffte damit, dass auch mir eine Begegnung mit meinem Thema zuteil wird. Dabei war mir nicht klar, dass ich mein Thema längst gefunden hatte. Ich fotografierte oft analog mit einer Panorama-Kamera und hatte keinerlei Kontrolle darüber, was genau ›im Kasten‹ war. Die Kamera zwang mich in eine Form – ein Film, sechs Bilder, sechs Geschichten, sechs Entscheidungen. Meinem Gefühl vertrauend, verwob ich die Aufnahmen im Kopf miteinander, Sinn suchend. Meine kleine Ricoh GR wurde immer öfter um Rat gefragt, kam immer öfter zum Einsatz. Aber es blieb nicht mehr, als ein Gefühl. Die Klarheit im Nebel zu suchen, hieß ihn zu fangen. Und in der Nachbetrachtung fügte sich ein Gesamtbild. Am Ende blieb ein Nebelgedicht in Bildern. Und Wesentliches wie die Gewissheit, dass es Tage gab, die ich irgendwann später mit »Ich kann mich genau erinnern …« beginnen werde. Es waren Tage, die flossen und nicht flogen, verlangsamt und bescheiden. Und ich war froh in einer so komplexen Welt mit etwas so Einfachem und dennoch Feinsinnigem beschäftigt zu sein, wie Fotografie.

Im Nebel nahm ich mir Zeit für sie, er hetzte mich nicht. Wir haben die Strasse gesehen, aber wussten nicht wohin sie uns führt. Wir wussten nur: Man kann nichts über sich herausfinden, ohne Risiken einzugehen. Man sollte dem Nebel dankbar dafür sein.

 

Steffen Böttcher, September 2016.

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