»Heute habe ich kein Bild für Dich …« … jedenfalls kein Porträt, denn das Projekt, das ich hier beschreiben möchte, ist nicht von einem einzelnen Fotografen/Fotografin – es ist ein Projekt einer Gruppe von Fotografen, eines Kollektivs bzw. einer Initiative:

›Soul of Street‹

2015 kamen Reiner Girsch und Marc Barkowski auf die Idee ein Magazin für Streetphotography herauszugeben, um dem Nischendasein dieses fotografischen Genres ein wenig aus dem Schatten zu helfen. Denn es fehlte ein gewisser Zusammenhalt, ein Forum für den Austausch. Zwar wurde diese besondere Form der Fotografie schon durchaus wahrgenommen und auch werblich von Kameraherstellern z. B. auf der Photokina präsentiert, aber im Gegensatz zu anderen Bereichen gab es weder Zusammenschlüsse wie ›Freelens‹ oder den ‹BFF‹.

Denn ohne Frage hat Streetphotography ganz eigene Merkmale, die – so unterschiedlich die Ergebnisse auch sind – dieser Art der Fotografie ein sehr eigenes Gepräge geben. Um ehrlich zu sein musste ich mich erst in einem langen Gespräch mit Marc Barkowski an das Thema herantasten. Denn irgendwie hatte ich zwar schon massenhaft Bilder und Ausstellungen in diesem Bereich gesehen, mich mit vielen Fotografen unterhalten, aber über die Unterscheidungen zu anderen Gattungen nie nachgedacht. Erst durch ein wenig Recherche und auch Gesprächen mit anderen Kollegen kristallisierte sich ein ganz besonderes Merkmal heraus:

Streetphotography ist nicht allein am Ergebnis zu messen – schon die Art des Fotografierens ist ein wesentliches Merkmal: Es ist das Eintauchen in eine mal bekannte, mal unbekannte Umwelt und eine Konzentration auf die eigene Wahrnehmung. Als mir das bewusst wurde, erkannte ich, dass hier im PxP-Blog schon viele Streetphotographer vertreten sind und Projekte vorgestellt haben. Einer von ihnen, Wolfgang Baus, hat auch für diese Art ein Zitat geliefert, das diese Form sehr anschaulich beschreibt: »… ist wie beim Angeln. Mal seh’n was ich fange und wenn nachher nix im Eimer ist, ist auch nicht schlimm. Für mich ist das pure Entspannung.« Ich hielt diesen Ausspruch damals für einen ganz individuellen Ansatz, bis ich auf der Site von SoS (Soul of Street.de) auf folgenden Blog-Beitrag von Oliver Krumes stieß: ›Warum Straßenfotografie (für mich) die beste Meditation ist‹. Hier wird nicht nur dieses Eintauchen beschrieben – es wird sogar mit Achtsamkeitsübungen ergänzt und der Autor beschreibt, dass man nach einem Fototermin nicht erschöpft von harter Arbeit nach Hause kommt (wie ich es oft erlebe), sondern beseelt und entspannt vergleichbar mit einem Kurzurlaub vom Alltag.

Aber ich fürchte, viele Fotografen werden jetzt die Augenbrauen hochziehen und den Kopf schütteln. Denn der meditative Aspekt ist vermutlich nur ein Wesensmerkmal, dass vielen Straßenfotografen gar nicht bewusst ist. Wesentlicher ist sicherlich das Vorfinden von Situationen, die man beobachtend und niemals eingreifend im Foto festhält. Diese Eigenschaft bringt diese Fotografie auch in die Nähe von Dokumentarfotografie und Reportage … vermutlich gibt es hier viele Gemeinsamkeiten und verschwimmende Grenzen. An dieser Stelle des Gesprächs mit Marc kam logischerweise auch das Thema ›Photoshop-Manipulation‹ auf … aus Sicht eines bekennenden Street-Fotografen eigentlich ein ›NoGo‹. Aber erstaunlicherweise wurde mir das nicht wie ein Gesetz entgegengeschleudert, sondern eher ganz persönlich und mit kleinen Fragezeichen.

Denn hier wurde mir eine besondere Qualität von ›Soul of Street‹ bewusst: Auf der Site sowie im gedruckten Magazin findet man sehr, sehr unterschiedliche Positionen: Die Straße kann sogar ein Seeweg sein (#16 > Corey Arnold. ein Bericht über Fischer auf den Aleuten), sehr häufig arbeiten Fotografen ganz dicht an Menschen aber Marc zitiert auch eher grafisch arbeitende Fotografen wie > Siegfried Hansen, der nur selten Menschen abbildet oder wie > Torsten Schumann, über den ich vor Kurzem berichtet habe. Trotzdem nennt er eine Eigenschaft, die er zwar nicht zu einer Doktrin erhebt, die sich aber aus meiner Erfahrung tatsächlich sehr oft finden lässt: Die Empathie, die Wärme, die Nähe zur Situation. Hier verwundert es dann auch nicht, wenn diese oft nebenberuflichen Fotografen ihren Lebensunterhalt in sozialen Berufen verdienen, wie z. B. der Krankenpfleger > Ralf Scherer. Gemeinsame Motivation ist allen Fotografen, dass sie im öffentlichen Raum sich auf das Gefundene einlassen und eher nicht in Serien denken, sondern Bilder als einzelne Ergebnisse sehen.

Und dann ist jedem Street-Fotografen wichtig, dass er seine ganz eigene Sichtweise mit einbringt. Daher ist es oft unwesentlich, wenn man auf ausgelatschten Wegen unterwegs ist: Selbst die Kölner Domplatte als vermutlich einer der meistfotografierten Orte Deutschlands, bietet genügend Material für ganz individuelle Ergebnisse. Einige Fotografen aus dem Kernteam von Soul of Street, neben Marc und Reiner sind das Lukas Springer, Horst Frommont, Leon Art Koopmann, Jan Wenzel, Jens von Ewald und Elias Just, habe sich ein Experiment ausgedacht: Fünf Fotografen – ein Motiv. Das Ergebnis kann man > hier anschauen.

Abschließend ein Hinweis, wie es zu dem Kontakt zu Soul of Street gekommen ist: Vor einiger Zeit wurde RICOH IMAGING von der Redaktion gebeten, einmal die RICOH GR II zum Testen ausleihen zu dürfen. Ein Routine-Vorgang und für uns logischerweise eine Selbstverständlichkeit. Aber im nachfolgenden Gespräch entwickelten sich Ideen zu einer Sonderausgabe, die voller Komplimente für unsere Kamera ist. Das freut uns natürlich sehr und macht uns auch stolz. Und daher können wir es uns nicht verkneifen auf diese Sonderausgabe direkt zu verlinken. > Sonderausgabe. Denn dieser Test bzw. diese Berichte sind schließlich von den Fachleuten von Soul of Street.