Achim Katzberg
*1965
Mainz / Deutschland
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// Achim Katzberg  //  Jan Klose-Brüdern (Text)

 

 

»Big City Life«

Irgendwann begann das Fotografieren bei Achim Katzberg schon in Kindertagen … denn da gab es bereits sehr früh eine Kasettenfilm-Kamera. Aber so richtig los ging es, als ihm dank des Konfirmationsgeldes eine Spiegelreflexkamera in die Hände fiel. Und seitdem hat diese Passion nie richtig aufgehört. Beruflich wurde zwar ursprünglich ein anderer Weg eingeschlagen, aber seit 2010 ist Fotografie immerhin ein Zweitjob neben einer Tätigkeit bei einer großen deutschen Bank. Die fotografische Ausbildung fand überwiegend autodidaktisch statt. Wobei gute Kontakte und einige Workshops den ewigen Kreislauf des Lernens immer in Schwung halten. Und natürlich die Orientierung an Vorbildern bzw. der Blick in viele Bücher: Elliot Erwitt (wird mit seiner berühmten Hunde-Serie sogar nachempfunden), André Kertesz, Vivian Maier … aber auch Kollegen wie Siegfried Hansen, der einige Jahre zuvor bei Wolfgang Zurborn ein Buch entwickelt hat, wie Achim Katzberg es dieses Jahr gemacht hat.
Neben den freien Arbeiten wie z. B. der Streetphotography sind auch viele andere Genres des Fotografie im Portfolio: Architektur-, Reisefotografie, Firmenporträts und Event-Reportagen. Dabei zieht sich als feiner Faden eine große Gemeinsamkeit durch die unterschiedlichen Arbeiten. Achim Katzberg komponiert seine Motive sehr präzise in seine Bildformate. Flächenaufteilung und Linienführung sind äußerst streng. Oft sind seine Bilder Bühnenansichten … teils mit – teils ohne Menschen. Wenn man mal von den Reportage-Arbeiten absieht, könnte man sagen, er ist ein Graphiker unter den Fotografen. Aber dazu mehr in dem folgenden Projektbericht über das Buch ›Big City Life‹.

 

 

Der Traum vom Fliegen ist für die Menschheit etwas tief verwurzeltes – und für Fotografen gibt es den Urtraum vom eigenen Buch. Das scheint genetisch bedingt. Obwohl beides inzwischen erreichbar ist; es ist halt nur nicht so leicht wie Fahrradfahren und Briefeschreiben. Auch, wenn uns die Fotobuchproduzenten glauben lassen wollen, dass man 1-2-3 ein Buch erstellen kann. Man darf sich da von der vermeintlich professionellen äußeren Erscheinung nicht blenden lassen: Die Kunst liegt nach wie vor in der Planung, in der Auswahl der Bildfolge, der erzählenden Kombination zweier Bilder auf einer Doppelseite. Und dann kommen da noch die grafischen Feinheiten dazu: Layout und Typographie. Es geht bei Büchern also in einem hohen Maße um innere Werte.

 

 

 

 

 

Am Anfang seiner Buch-Idee schwebte Achim Katzberg eine Rückschau auf seine freien Arbeiten der vergangenen Jahre vor. Er sammelte hunderte von Bildern aus seinem Archiv und besprach sein Vorhaben mit Kollegen. Wie z. B. Wolfgang Zurborn aus Köln, der viel Erfahrung mit dem Editieren von Büchern hat. Indem der Bildautor seine Bilder und sein Vorhaben mit anderen geteilt hatte, veränderte sich schon sein Blickwinkel. Die Idee der Rückschau wäre nur für die kleine Gruppe der Kenner von Achim Katzbergs Arbeiten interessant gewesen. Das ist aber üblicherweise bei Büchern zu kurz gedacht. Der Fotograf begann seine Auswahl so zu destillieren, dass eine konzentrierte Auswahl einen Kern freigelegt hat und damit das Buch ein allgemeingültiges Thema bekam: Die Stadt als ultramoderne Bühnenlandschaft, der Mensch als vereinzeltes Wesen. Dieses Thema ist durchaus wie ein Blick auf ein Lebensgefühl zu sehen. Die Protagonisten im Getriebe der städtischen Geometrie erscheinen wie Flüchtende und Randerscheinungen in einem lebensfeindlichen Raum. Im hochästhetisierten Umfeld von Bankenvierteln, Hafencities und übergestalteten Museumsquartieren, die uns als Repräsentation modernen Lebens umgeben, erscheinen Menschen wie eine Erinnerung an einen Architektentraum: Seht her … für euch ist es geschaffen. Aber diese vermeintlichen Bewohner scheinen sich woanders hinzusehnen und sind mindestens in Gedanken woanders. Denn sie gehören hier nicht hin. Es tut ihnen leid zu stören … ›wir beeilen uns aus dem Bild zu gehen, um die Perfektion nicht zu zerstören‹. Die Orte verbinden sich nicht mit den Menschen und die Menschen nicht mit den Orten.

Aber der Fotograf hat doch geduldig darauf gewartet, dass genau dieser Störer entsteht? _ so sollte das Bild doch sein. Ist es am Ende auch sein Lebensgefühl?
Ein Happy End wird uns – wie bei den meisten guten Filmen (… und auch Künstlerbüchern) selbstverständlich vorenthalten und Fragen bleiben offen. Aber neben einer Bewunderung für die Schönheit schlummert da ein tiefes Unwohlsein. Und sogar der chic uniformierte ›Maintenance Manager‹ im letzten Bild verlässt resigniert mit Schaufel und Kehrblech die Bühne und hat keine Lust mehr, die unsichtbaren Spuren menschlichen Lebens zu beseitigen …