»Was Du nicht angefasst hast, hast Du nicht gegessen …«

// HANS RIPA  //  Jan Klose-Brüdern (Text)

Wenn man Hans Ripa kennenlernt, sich von ihm erzählen lässt wie er zur Fotografie kam, was er sonst so noch macht und wie es ihm im Leben so ergangen ist, dann wird man eine ganze Weile zuhören und einige sehr unterschiedliche Geschichten hören. Und wenn man dann später am Rechner sitzt und versucht, das zusammenzufassen, muss man sich sehr zusammenreißen, um nicht gleich mit der Überschrift ›Hans Dampf in allen Gassen‹ plump mit der Tür ins Haus zu fallen: Denn Hans Ripa hat einen Weg hinter sich, der mit Achterbahnfahrt extrem vereinfacht ist: ’Ne Menge Talfahrten aber auch Höhenflüge. Viele Chancen aus der Kurve zu fliegen aber in der Spur geblieben. Details lasse ich hier weg, denn mich interessiert in erster Linie die fotografische Arbeit und warum sie so ist wie sie ist. Aber paar Stationen aus der Vergangenheit muss ich mal durchklingen lassen, denn die verbinden sich mit seiner Arbeit als Fotograf so wie er sich auch nicht einfach darauf reduzieren lässt, dass er ›nur‹ Fotograf ist.

›Gesund Essen‹ war erstaunlicherweise in jeder Unterhaltung, die wir geführt haben, ein Thema. Da er bis zum 18. Lebensjahr ausschließlich vegetarisch bzw. vegan ernährt wurde, sagt er über sich, dass »Gesundheit als Thema ihn schon sein ganzes Leben begleitet hat« … folgerichtig hat er eine Ausbildung zum Fitnesstrainer und Gesundheitsberater gemacht und genauso folgerichtig arbeitet er heute leidenschaftlich für Mutterland, einen Hamburger Anbieter für hochwertigste, regionale und gesunde Feinkost oder kreiert – fast nebenbei – seinen eigenen Kaffee, der speziell für den Genuss ohne Zucker und Milch gedacht ist.

Aber Gesundheit ist für ihn einerseits ein rationales Thema, wo er mir aufzeigt, wieviel Fläche eines Supermarktes für unbelassene (echte!) und wieviel für industriell verarbeitete Lebensmittel bereitsteht. Gesundheit hat auch eine irrationale Seite: Als er denn irgendwann doch mal Fleisch gegessen hat, hatte er danach Alpträume von Massakern und Tod. Bei Hans Ripa ist ausgebildetes Wissen und tief empfundene Emotionalität eng verwoben – er plädiert dafür mit den Händen zu essen, um den Bezug zur Nahrung zu behalten. »… wenn ‚Du Dir aus einer Tüte beim Fernsehkucken irgenwelche Lebensmittel reinschaufelst, verlierst Du den Bezug zu Deiner Ernährung: Was Du nicht gesehen hast, hast Du nicht wirklich gegessen …« Womit er schlicht meint, dass wir dadurch die Kontrolle verlieren, weil wir nicht mehr unsere angeborenen Sinne in vollem Umfang nutzen.

Und das Nutzen der eigenen Sinne ist die Verbindung zur Fotografie. Er packt die Themen an, greift sie förmlich mit seiner Kamera, berürhrt sie, erlebt sie und: Zeigt sie. Er sucht die Themen, die ihn anmachen, die etwas mit ihm machen, mit denen er etwas anfangen kann und setzt sie direkt und schnörkellos um.

Da er als Model gearbeitet hat, interessiert ihn die Fashion-Week in Berlin, er fährt hin, bequatscht irgendwelche Leute und ergattert einen VIP-Ausweis, um an vorderster Linie mit seiner Kamera dabei zu sein. Bei Marc Cain macht er auf eigene Faust eine Serie und bietet die an … dummerweise ist der Kunde zwar begeistert aber das Budget schon verbraucht: Mit großer Geste verschenkt er die Nutzungsrechte … wird aber bei der nächsten Show gebucht. Obwohl Hans Ripa durchaus auch eine kaufmännische Ausbildung hinter sich hat, war das kein Kalkül, sondern eine Laune.

Wenn ihn etwas interessiert, dann geht er darauf zu, lässt andere spüren, dass er mit Volldampf das Thema anpacken wird und riskiert auch das Scheitern. Sein Kapital ist seine Begeisterung, sein Tatendrang, seine Energie …

Vor einiger Zeit sollte er ein Coffeetasting fotografieren und erschnupperte mit großer Sicherheit die beiden edelsten Sorten, die auf dem Tisch standen. Das beeindruckte den Kaffeespezialisten und Hans Ripa, der leidenschaftlicher Kaffeetrinker ist, startete sein eigenes Projekt: Einen Kaffee, der so rund und aromatisch ist, dass er weder Milch noch Zucker benötigt … hier ist er wieder bei seinem Thema ›Gesundheit‹. Dieses Projekt ist inzwischen so weit, dass man es z. B. bei Mutterland in Hamburg in diversen Filialen kaufen kann: ›Hans Kaffee‹ … also eine Kaffeemischung, die nicht nur von ihm selbst zusammengestellt wird, sondern auch nach seinen Vorgaben geröstet und weiterverarbeitet wurde. Ein Projekt, wie es typisch ist für Hans Ripa: Aus Fotografie wird ein Projekt, aus dem Projekt wird Fotografie …

www.hans-ripa.de