›Das Licht im Norden …‹

// LUKAS PETEREIT

Man könnte meinen, dass es ein Widerspruch ist, für ein besonderes Licht im Winter in die Nähe des Polarkreises zu reisen? … schließlich ist es dort ja zu der Zeit lange Zeit sehr dunkel. Aber – das besondere Licht …– na klar: Es handelt sich um das Polarlicht, das nur sehr weit im Norden und unter besonderen Bedingungen sichtbar wird.

Als ich Ende 2018 das erste Mal mit Lukas Petereit telefonierte, um über ein Thema für einen Projektbericht zu sprechen, war die Planung für eine Lofotenreise schon im vollen Gange. Daher habe ich das Vorhaben gerne um einige Wochen verschoben, denn dieses Projekt versprach natürlich ganz besondere Bilder. Und – obwohl ›auf Kredit geplant‹ – ist dieses Projekt wunderbar zu zeigen. Denn tatsächlich habe ich schon von anderen Landschaftsfotografen gehört, dass auch eine Portion Glück ein Faktor beim Fotografieren dieses besonderen Phänomens dazu gehört. Ist wohl ähnlich wie beim Whale-Watching … man kann auch Pech haben und die Wetterbedingungen sind bedauerlich. 

Aber ein Teil des Erfolges beruht auf akribischer Vorbereitung. Die Planung für diese Reise hat Lukas bereits im späten Frühjahr 2018 begonnen:
Wie funktioniert dieses Naturereignis? … wann ist mit großer Sicherheit mit Polarlicht zu rechnen? … wo finde ich die passende Kulisse für spannende Bilder? … und durchaus: die Kostenplanung gehört zur professionellen Abwicklung dazu, denn früh gebucht bedeutet auch, dass man erheblich sparsamer reisen kann.

Es gehört aber auch eine minutiöse Taktung der Produktionstage dazu. Und ab jetzt müsste jedem Leser klar sein: Professionelle Landschaftsfotografie ist erfolgsorientierte Arbeit und kein Urlaub mit Nebenbeschäftigung. Durch intensive Planung und Vorbereitung wird der Faktor Zufall und Inspiration in einem erheblichen Maße kontrolliert, damit die gewünschten Bilder, die später für Verlage oder als Stock-Material dienen sollen, auch wirklich ›produziert‹ werden: Etwa 3 bis 4 Locations pro Tag werden vorbereitet, die Lichtsituationen im Kopf berechnet und die Fahrtzeiten und Wege kalkuliert. Sonnenaufgang und Sonnenuntergang sind einerseits wesentliche Zeitpunkte und da die naturgemäß zeitlich begrenzet sind, bilden Motive dieser Art die Ankerpunkte des Tages. Hier helfen Apps und Karten bei der Vorbereitung. Auch die (hoffentlich folgende) blaue Stunde gehört zur Kalkulation. Die Locations zwischen diesen Zeiten sind dann etwas entspannter: Tagsüber kann man sich dann treiben lassen, nachts muss man wieder hoffen …

Allerdings täuschen diese Zeilen eine Hektik vor, die gerade vermieden werden soll: Vor Ort ermöglicht die gute Vorbereitung eine intensive und entspannte Motivgestaltung. Konzentrierte und tief empfundene Fotografien entstehen nicht aus dem fahrenden Auto. Für Lukas Petereit ist das Ziel die intensiven Empfindungen beim Erleben einer außergewöhnlichen Landschaft an den Betrachter weiterzugeben. »Schaut her – die Welt ist schön – wir sollten alles geben, um das zum bewahren.«

//  Jan Klose-Brüdern (Text)

Die Anreise von Deutschland über Oslo erfolgte per Flugzeug nach Harstad ganz im Norden der Lofoten – das dauert ca. 8 Stunden. Die Fahrt im Mietwagen zum zentralen Ausgangspunkt weiter südlich zieht sich weitere 3 bis 4 Stunden hin. Die Wahl fiel auf Leknes, da dieser Ort zentral liegt und somit viele Möglichkeiten bietet. Lukas Petereit war es durchaus bewusst, dass die spektakulären Felsformationen zwar eher weiter südlich liegen … für eine gewisse Vielseitigkeit der Motive war es aber sinnvoll, zentral zu wohnen.

Denn unterm Strich sollen am Ende Landschaftsbilder einen Eindruck von einem Ort bieten. Vordergründig war zwar das Polarlicht das erklärte Bildmotiv – aber die Lofoten sind auch bei Tageslicht eine berauschende Landschaft. Dabei sollen die Bilder am Ende durchaus das Heroische des Eindruckes transportieren … aber nicht durch Filter und Nachbearbeitung derart poliert wirken, dass man der natürlichen Schönheit mit allzuviel Schminke einen unnatürlichen Glanz verleiht. Eine heikle Balance, die bei besonderer Schönheit – seien es Landschaften, Models oder Architekturen –  immer sehr vorsichtig getrimmt werden muss.

Weitere Reisen aber auch Hintergründe finden Sie auf der Homepage von Lukas Petereit. Dort gibt er auch sein Hintergrundwissen bereitwillig preis, denn Teil seine Mission ist es, die Faszination des Reisens und der Landschaftsfotografie mit Vielen zu teilen:

> www.lukas-petereit.com