// ONNO SEYLER  //  Jan Klose-Brüdern (Text)  //

»Ich bring doch kein Messer zur Schießerei mit ...«

... sagt Onno Seyler, als wir uns darüber unterhalten, warum er mit der GR ganze Editorials macht. Aber da sind wir schon ganz tief in einem Gespräch über Perfektion, Leidenschaft, den Urknall im Verbrennungsmotor und was sonst so neben Gott die Welt ausmacht.

Dabei wollte ich eigentlich nur nach einem Interview-Termin fragen, aber in kürzester Zeit sind wir schon mittendrin – mitten in den Themen Fotografie und Motorsport, Lebenswege und Quereinstiege. Und mir wurde im Verlauf des langen Gespräches klar: Einzusteigen und fix mittendrin zu sein ist das, was Onno zum Reportage-Fotografen macht. Aber langsam, langsam ... jetzt der Reihe nach:

 

Onno Seyler sagt von sich, er wäre ein Quereinsteiger, weil er erst seit ca. 10 Jahren von der Fotografie lebt. Er wäre zwar schon immer leidenschaftlicher Fotograf gewesen seit ihm der Großvater für ein Porträt seine Leica in die Hand gedrückt hätte, aber immer nur auf Hobby-Basis. Ursprünglich waren es Worte, die er zu Texten gemacht hat, um Geld zu verdienen: Er arbeitete in verschiedenen Agenturen als Text-CD in der Werbung ... z. B. für die Automobilbranche, für die er leidenschaftlich gerne arbeitet, weil ihm schon immer so eine Beimischung von Benzin im Blut lag. Eines Tages fehlten dem Text die Bilder und – wie so oft in der Werbung – auch die Zeit jemanden zu beauftragen. Da musste der Textchef selber ran. Das kann in dem Metier schon mal passieren, aber der notwendige Job war aufwändig und eng getacktet. Eigentlich nichts für jemanden der sich üblicherweise als Fotograf Zeit nehmen kann und seine Bilder alleine ohne Team macht. Aber diese Feuertaufe hat funktioniert – die weichen Knie sind vergessen und die Bilder auch heute noch auf der Homepage:  
> www.onno-photography.com ... Sie können ja mal schauen, ob dieser Anfänger-Job als solcher erkennbar ist. 

Beruflich passierte es also, dass aus dem ›Worte-feilen‹ ›Bilder-finden‹ wurde. Das könnte man natürlich als Quereinstieg bezeichnen. Aber dem Erfinden von Texten gehen in der Regel Bilder voraus, die der Texter vor seinem inneren Auge sieht. Das Formen und Erfinden war also schon Routine. Und das Fotografieren im Kern seit Kindesbeinen geübt. Nur der Maßstab war ein anderer. Denn plötzlich war nicht mehr die eigene freie Idee alleine die Basis, sondern ein vorgegebener Auftrag, eine Geschichte, der Blickwinkel der Zielgruppe. Aber war das nicht das lange trainierte Handwerkszeug des Texters? ... aus meiner Sicht also kein echter Quereinstieg sondern ein professionelles Shiften – eigentlich nur ein Seitenwechsel. Denn nach wie vor ist ›Story-Telling‹ der Kern – der Look und die Form der Rahmen. Denn jetzt arbeitet Onno Seyler neben seiner Tätigkeit als Werbefotograf und -filmer auch im Editorial-Bereich, überwiegend für die Motorpresse und oft genug entdeckt er die Geschichte selbst und sorgt neben den Bildern auch für den Text. 

 

Aber nun dazu, dass Herr Seyler keine Messer zur Schießerei mitbringen mag, womit er schlicht sagen will, dass jede Aufgabe das richtige Equipment erfordert.

Vor einigen Jahren stolperte er bei in einem privaten Aufenthalt in London über eine verblüffende Kombination eines Frisörs und einer Bar mit einem Motorrad-Laden. Quasi ein Kinderparadies für echte Kerle (unabhängig ob weiblich oder männlich :- ). Damals war diese Kombination neu und daher berichtenswert. Ein kurzer Anruf in der Redaktion von FUEL und das Go für den Job war gegeben. Allerdings hatte er privat natürlich nicht die übliche Riesen-Ausrüstung des Profis dabei, sondern lediglich ein Mini-Stativ und eine GR. Anstatt sich eine Ausrüstung am anderen Ende der Stadt zu mieten, entschied er sich mit dieser Minimal-Ausrüstung zu arbeiten und schlicht die Exif-Daten zu löschen ... mal sehen, was die Redaktion so sagt. Da Story und Bilder perfekt passten, fielen diese fehlenden Informationen nicht auf: Denn das Ergebnis war professionell und optimal zu drucken. 

 

Als Reportage-Fotograf weiß Onno, dass er nicht nur den kommenden Augenblick vorhersehen muss – er darf auch die Atmosphäre des Moments nicht zerstören und muss der Geschichte ihren natürlichen Verlauf lassen. Da hilft eine diskrete Kamera, die einerseits nicht auffällt und andererseits sich selbst nicht wichtig nimmt. Und er weiß auch, dass ihm sein angeborener Leichtsinn hilft: Bei einer Presse-Veranstaltung saß Thomas Gerwers, ein Urgestein der deutschen Fotopresse (Chefredakteur PROFIFOTO) und daher ein absoluter Kamera-Spezialist, im selben Wagen und der Profifotograf arbeitete entspannt und routiniert mit der GR ... und veröffentlichte später diese Bilder im Hochglanz-Magazin zur Luxus-Marke Bentley. »Sicherlich erfordert es eine gewisse Umstellung mit einer Kompaktkamera all das zu machen, was man sonst mit ’ner schwereren SLR  so macht, aber auch Mitzieher und Bokeh-Aufnahmen sind kein Problem. Und die Bildqualität bzw. Auflösung schafft ausreichend Spielraum für Ausschnitte, dass man das Zoom nicht vermissen muß.«

 

Dabei ist Perfektion besonders in der Auto-Branche Pflicht. Denn in unserer Gesellschaft spielt dieses Produkt weit über seinen Nutzwert eine besondere Rolle als Prestigeobjekt. Und damit natürlich auch seine Darstellung. Bei klassischen Werbeaufnahmen, wenn quasi das Studio nach draußen verlegt wird, arbeitet auch Onno Seyler mit ›großem Besteck‹ – also mit viel zusätzlichem Licht, Assistenten und aufwändiger Nachbearbeitung. »Ohne handwerkliche Perfektion verkümmert das Bemühen um gute Arbeit. Das gilt für meine eigene Arbeit, macht aber auch meine Vorliebe für besondere Technik und perfektioniertes Handwerk aus.« Das scheint nicht nur für sein eigenes Equipment zu gelten: Als er vor einigen Wochen seine neue GR III ausprobieren wollte, waren nicht nur Autos ein Teil der Geschichte: Hier bildete eine Oldtimer-Tour mit PreWar-Bentleys nur den Rahmen für ein weiteres Motiv – in diesem Fall ein feinmechanisches Faszinosum. Für die wohl edelste Uhrenmarke Deutschlands, A. Lange & Söhne, entstand eine Lifestyle-Fotostory ... mit der neuen GR III.

 

Mehr von Onno Seyler unter: > www.onno-photography.com