Eine Insel wird zum Klassenraum …

// Raik Krotofil  //  Jan Klose-Brüdern (Text)

Die Bilder von Raik Krotofil, einem der Fotolehrer von ›Photo Tours 4 You‹ habe ich schon zur letzten photokina 2016 kennengelernt … wirkungsstarke Landschaften, bei denen viel Gefühl mitschwingt. Als ich mich vor kurzem mit ihm darüber unterhalten habe, fielen Begriffe wie: »Stimmung, Atmosphäre, Licht und Drama …«. … und das sieht man nicht nur: Das fühlt man auch.

Jetzt hatten wir aber deutlich mehr Zeit und er gab einige Impulse preis, die diese Bilder deutlicher machen. Er nannte eine Parallele, die mir sofort einleuchtete: Caspar David Friedrich. Der große norddeutsche Maler der Romantik, der ähnlich gefühlsstark die Landschaft erglühen lässt und uns vergegenwärtigt, dass wir ein kleiner Teil einer sehr großen göttlichen Schöpfung sind. Und genau diese Verbundenheit mit der Landschaft auf einer sehr emotionalen Ebene ist das, was auch Raik Krotofil antreibt, Landschaften im Geist der Romantik zu fotografieren.

Nun wird es einige Leser geben, die mit den Augen rollen und denken: Das ist aber auch schon fast 200 Jahre her und heute so nicht mehr gültig. Heute ist das gefühlsduselig und am Zeitgeist vorbei. Mit dem begriff ›romantisch‹ verkauft man historische Porzellanmuster an rückwärtsgewandte Gegenwartsverweigerer … kommt sicherlich vor. Wochenend-Angebote von Hotels werben auch mit derartigen Begriffen. Aua … das hört man als Fotograf nicht gern. Aber das ist eher oberflächlich betrachtet. Steigt man in die Kunstepoche der Romantik nur ganz seicht über Wikipedia ein, wird man erkennen, dass es zu dem, was die Künstler damals wollten, eine verblüffende Ähnlichkeit mit unserer derzeitigen Epoche gibt: Die im frühen 19. Jhdt. schon einige Jahrzehnte anlaufende massive Industrialisierung veränderte nicht nur die Arbeitswelt. Auch die Lebensbedingungen, die Umwelt und das Denken mussten angepasst werden. Und das hat viele Menschen verunsichert.

Und Maler, wie auch andere Künstler, nahmen den Zeitgeist auf und appellierten wieder an emotionale Werte wie Glaube, Liebe … und: Natürlich auch Hoffnung. Sie sahen in der Welt, die uns umgab, nicht die nutzbare Ressource des Industriellen, sondern die Schöpfung eine gütigen Gottes, die man nicht mit Füßen treten sollte … uuups. Klingt nach Umweltschutz. … und nach einem Aufruf zum inneren Einhalt.

Da kann man doch Ähnlichkeiten entdecken: ›Meditation‹ ist heute kein Fremdwort mehr, ›Nachhaltigkeit‹ in aller Munde (auch im wörtlichen Sinne, wenn man an die zunehmende Zahl von Vegetariern/Veganern denkt) und auch, wenn die großen Kirchen eine Abkehr erfahren: Glauben in vielschichtiger Form wird wieder wichtig. Sei es im fernöstlichen Sinne oder in Hinwendung zu uralten  Naturphilosophien. Und dann ist da noch die gesellschaftliche Umwälzung, die die Erfindung des Computers, des Internet und die zunehmende Virtualisierung mit sich bringt. Wir haben gute Gründe uns ›zu erden‹, in der Landschaft Entspannung und Gefühl zu suchen.

Und diesen Weg ist Raik Krotofil vor vielen Jahren gegangen. Er lernte sich der Natur auf hochmoderne Weise zu nähern, indem er sie erwanderte, betrachtete, naturnahe Erlebnisse suchte und das in – ja durchaus – romantischen – Bildern festhielt. Licht, Drama und Innerlichkeit. Und damit traf er offensichtlich viele Menschen ›ins Herz‹. Denn er wurde immer wieder gefragt, wie er zu solch’ beeindruckenden Bildern kam, wie er das schafft, so viel Emotion in der Landschaftsfotografie auszudrücken. Und so wurde er eher ungewollt zum Workshopleiter bei ›Photo Tours 4 You‹. Seinen Stil und seine intensive Herangehensweise sowie auch seine Bereitschaft sehr intensiv zu arbeiten, gibt er heute regelmäßig in Reiseworkshops an andere weiter.

Die Vorbereitung auf einen derartigen Workshop ist das stabile Fundament, um später die Teilnehmer zum Erfolg zu führen: Das zukünftige Reiseziel muss erst mal erkundet werden. Einerseits geht das durch intensive Online-Recherche, die allerdings nur funktionieren kann, wenn man schon eine Menge Erfahrung hat. Dann geht es vor Ort  zu ausgewählten Locations an denen dann immer tageszeitabhängige Lichtprofile entwickelt werden: Denn neben der Topografie der Landschaft ist das Licht das stärkste Element, das die Stimmung der Bilder später tragen wird.

Das alles ist eher harte Eichhörnchen-Arbeit als lustvoll Musen-geküsst. Denn erst mal ist das Ziel nicht die eigene Mappe zu füllen, sondern Anderen den Einstieg in die faszinierende Welt der Landschaftsfotografie zu vermitteln. Erst, wenn diese Basisarbeit erledigt ist, kann Raik die Kamera aus dem Koffer packen, das Stativ aufbauen und seine geliebte kreativ-Arbeit beginnen. Und überprüfen, ob die Vorarbeit auch funktioniert. Und, dass sie funktioniert, sehen wir an den Bildern hier, die auf seinen Scouting-Touren nach Teneriffa entstanden sind.

Und falls die Bilder und diese kleine Einführung Sie auf den Geschmack gebracht hat. Hier kann man nicht nur mehr Bilder sehen:

> raiklight.de

… sondern auch Touren buchen:

> www.phototours4u.com