»Ich will einfach dabei sein …«

// René Flindt  //  Jan Klose-Brüdern (Text)

Die Bandbreite dessen, was man von einem Restaurant erwartet, kann weit sein. Die üblichen Gründe essen zu gehen reichen von ›satt-werden‹ bis ›Geselligkeit‹. Es gibt aber auch Gastronomen, die ihren Gästen ein Erlebnis servieren möchten – nicht nur ein Essen …

Und im Fall des Restaurants ›100/200 Kitchen‹ in Hamburg geht der Inhaber Thomas Imbusch noch weiter: Im Sinne eines Gesamtkunstwerks möchte er zum Kern zurückkehren: Was bedeutet Essen? Und damit gibt er dem Erlebnis auch noch eine innige Botschaft mit auf den Weg. Hier stellt ein Koch seine Haltung zur Esskultur vor, indem er uns die Augen, die Nase und den Gaumen für perfektes Handwerk öffnet:

Essen als höchste Wertschätzung in allen Schritten bis es auf den Teller kommt … von der sorgfältigen Herstellung der Rohstoffe bis zu ihrer perfekten Verarbeitung in der Küche. Kulinarik ohne Schnörkel … dafür braucht es weder die Verzierung durch Sterne noch gestrige Sprüche mit Rückgriffen auf ›Mutter’s Küche‹. Das steckt im Namen, der schlicht auf kochendes Wasser und den heißen Herd anspielt. Es steckt aber auch in der Architektur des Restaurants: In der Mitte, leicht erhöht, ist die Küche … offen für alle Blicke, die nicht von dem Elbpanorama abgelenkt sind.

Aber eigentlich geht es in diesem Bericht um Photographie. Genauer: Um ein Projekt von René Flindt. Und der meint Photographie wie hier beschrieben: Erst mal geht es um das ›Was› … dann um das ›Wie‹. »Handwerk dient der Botschaft und sollte in ihrem Sinne nicht im Vordergrund stehen.« Denn René ist ein Gefühlsmensch mit einer Vorliebe für den direkten Weg. Begeisterung, Hingabe und Bewunderung für das Projekt von Thomas Imbusch ließen ihn hartnäckig nachfragen, ob er das Projekt 100/200 begleiten dürfe. Doch dieser verstand das erst mal nur sehr ungenau und dachte lediglich an Food-Fotografie. Aber das war gar nicht das, was René vorhatte: Er wollte das gesamte Projekt vom viel zitierten ›ersten Spatenstich‹ bis zum perfekten Gänge-Menue als Reportage festhalten: Ihn beeindruckte schon in der Idee das Ganze und nicht nur das finale Detail. Und er verstand die Reportage insgesamt als Porträt einer außergewöhnlichen Kochpersönlichkeit und dessen Vision.

Kenngelernt hatten sich Thomas Imbusch und René Flindt bei einem Essen in einem Restaurant, in dem der ungewöhnliche Koch vorher Küchenchef war. René und seine Frau hatten einen guten Grund zu feiern und in dem gewählten Spitzen-Restaurant war an diesem Abend erstaunlich wenig los. So fragte der Koch die beiden einfach, ob sie nicht vielleicht auch gerne in der Küche tafeln würden? Dort deckte er eine feine Tafel auf einem Schneideblock mitten in der Kochwerkstatt. Und das traf bei diesen Gästen einen Nerv. Denn beide kochen leidenschaftlich gerne und fühlen sich daher in der Küche wie zu Hause. Hier ist man direkt am Feuer … hier sieht man die Hingabe der Macher, die Qualität der Zutaten, die Perfektion des Handwerks. Und da entwickelte René die Idee, dieses besondere Projekt in einer Reportage festzuhalten. Denn dieses besondere kulinarische Erlebnis wollte er für andere nachvollziehbar machen. Mit Bildern einfach dabeisein.

Denn das ist die Vorgehensweise, wie René Flindt arbeitet: Dabei sein, nicht massiv eingreifen und mit dem Geschehen eins werden. »Wenn mir meine Kunden nach einem Job sagen, sie hätten mich irgendwann gar nicht mehr bemerkt, weiß ich, dass ich es richtig gemacht habe. Dann kann das Geschehen unbeeinflusst laufen und ich folge ganz meinem Gefühl für den richtigen Ort und die richtig Zeit.« Dabei ist der Fotograf alles andere als unsichtbar. Er macht sich nur zu einem Teil des Ganzen und sorgt lediglich dafür, dass das Fotografieren unauffällig bleibt. Dass er daher also fast ausschließlich mit dem vorhandenen Licht arbeitet und, dass er beim Porträtieren nicht StandUp-Comedy betreibt, spürt man seinen Bildern auch an: Klar und natürlich, situativ aber nicht überdreht. Nordisch herzlich. Und diese besondere Form, diese Empathie, spürt man … egal, ob er Brautpaare beim Übergang in die Ehe begleitet, Menschen porträtiert oder ob er dabei ist, wenn eine Idee Wirklichkeit wird.

Mehr von René Flindt: Klick hier: http://www.reneflindt.de/