// THOMMY MARDO  //  Jan Klose-Brüdern (Text)

Der Weg zu diesem Bericht war lang, bevor ich überhaupt diese Zeilen schreiben konnte. Schon im vergangene Jahr gab es erste Telefonate, Ideen, die in der Pipeline waren, und ein Shooting, das vielversprechend klang. Aber das sollte erst dieses Jahr veröffentlicht werden. Also haben wir verschoben. Nicht nur einmal ... aber jedes mal habe ich vorher auf die Site von Thommy Mardo geschaut und immer wieder stachen mir Motive ins Auge. Und irgendwie nicht nur ins Auge ... aber dazu später.

Als vor einigen Wochen das erste ausführlichere Gespräch stattfand, war der Fokus auf Musikerporträts fixiert; zumindest zunächst. Denn eines der vielen Auftragsgebiete von Thommy Mardo ist seiner guten Vernetzung in die Musikbranche geschuldet: Musikerporträt bzw. Konzertreportagen und all das, was zum Artwork für Musikpromotion dazugehört. Viel Material und viel zu berichten. Aber da waren noch andere Bilder, die mir ins Auge gestochen haben. ... aber dazu später.

Thommy Mardo ist ein Fotograf, der von seiner Arbeit leben muss. Oft bespreche ich hier Projekte, die aus eigenem Antrieb, frei von Auftragszwängen, erstellt worden sind. Daher war es mir wichtig, genau dieses eher Auftragorientierte in der Fotowelt mal unter die Lupe zu nehmen. Also wurde das Interview in diese Richtung  gesteuert und die entsprechenden Bilder geliefert. Diese Bilder waren vielfältig, nicht nur Porträts sondern auch Details, Reportage und darüberhinaus auch Konzeptionelles, was vermutlich für spezielle CD-Cover produziert worden war. Und langsam dämmert mir, was mir so ins Auge gestochen hatte – es war ein Grundton, der überall zu hören war ...

In mir keimte die Idee, diesen ›Sound of Thommy Mardo‹ am liebsten in eine Ausstellung zu formen – einen Raum mit bestimmten Zusammenstellungen  zu füllen, damit man dem besonderen Stil dieses Fotografen schlicht durch die eigenen Bilder auf die Spur kommt: Einfach mal neu zusammenstellen, was vielleicht gar nicht so gedacht war. Schauen, ob dadurch das durchschimmert, was mir so ins Auge gestochen hat.

»... sing’ mir ein Lied, Thommy Mardo!«

Als ich die Bilder dann hin- und hergeschoben habe, wurde mir schnell deutlich: Diese Bilder, die so unabhängig von Zeit und Auftrag diesen besonderen inneren Zusammenhalt haben, sind sicher überwiegend intuitiv entstanden ... »spontan und eher aus dem Bauch« sagt der Fotograf selbst über seine Herangehensweise. Intuition ist ja das Entscheiden ohne sachliches Abwägen und langes Nachdenken ... mal, weil es schnell gehen muss – mal, weil Gefühle transportiert werden, die keine Worte kennen. Es gibt auch das Bonmot, dass ›Intuition die allerhöchste Intelligenz ist‹ ... keine Ahnung, wer das gesagt hat aber in jedem Fall kommt Intuition von Innen, macht sichtbar, was wir bewusst nicht darstellen würden. Intuition geht auch mal in den Keller und schaut in Bereiche, in die wir uns bei Tageslicht nicht trauen würden ...

Aber wie geht das mit ›Geld verdienen‹ und Auftragsvorgaben zusammen? ... wer macht sowas mit? ... Thommy Mardo geht mit Enthusiasmus an die Arbeit und dieser Funke springt auch bei Kunden über. Und nach getaner (Auftrags-)Pflicht bittet er auch mal darum ›was ausprobieren zu dürfen‹. Dann bekommen die Bilder eine Handschrift, die nicht nach Layoutvorgaben formuliert wurde, sondern mit Gefühl und eigenem Schwung entsteht. Nicht immer ist das zwingend besser – manchmal passt es halt und manchmal muss aber das Konzept funktionieren. Es ist in jedem Fall einen Versuch wert und macht zufriedener, wenn man diesen Blickwinkel mal ausprobiert hat. »Es muss mir gefallen ...« ist eine Maxime und für die muss man auch mal Extraschichten fahren.

Über den besonderen Stil dieses Fotografen muss man im Grunde nicht viel erzählen: Man sieht, dass er es vorzieht eher pur und ohne viel Dekoration zu arbeiten, dass er (O-Ton) ›von Flächen geflashed‹ ist, kann man kaum übersehen ... ›Tiefstes Schwarz!‹ ... Thommy Mardo arbeitet gerne mit Infrarot-Kameras ... Retusche? ... nur soviel wie nötig. Und gibt es ein bevorzugtes Genre? ... Porträt?, ... Landschaft? ... Architektur? ... Akt? ...  ist alles dabei. Nicht nur, dass nach bald 20 Berufsjahren ohnehin alles schon mal dabeigewesen ist. »Nö ... festlegen möchte ich mich da nicht ...«

Die hier gezeigten Bilder sind eine Mischung aus Auftrags- und freien Arbeiten. Eher eine willkürlich und intuitiv (wie sonst? :- ) zusammengestellte kleine Ausstellung, die ich mir gerne in einer kleinen Galerie vorstellen könnte ... mal sehen.

Mehr von Thommy Mardo, also auch durchaus farbige und angewandtere Bilder, finden Sie unter:
> www.thommy-mardo.de