// TORSTEN KÖSTER  //  Jan Klose-Brüdern (Text)

»Wenn einer eine Reise tut …«

… und er hat eine Kamera dabei (in diesem Fall die GR III), dann erwartet man, dass dabei eine Reisereportage herauskommt. Besonders, wenn der Reisende Fotograf ist. Wie Torsten Köster. Der allerdings eher als Konzept- und Street-Fotograf unterwegs ist.
Torsten wollte mit seiner Frau in Litauen einfach nur Urlaub machen: ›Entspannen & Geniessen‹ war das Konzept. Natürlich ist die Kamera dabei. Aber ganz absichtslos; denn die GR ist schließlich immer dabei …

Schöne Erlebnisse in schönen Bildern festhalten … den Liebsten zu Hause berichten können und sie an der Reise teilnehmen lassen. … und … vielleicht … Betrachter später dazu animieren, auch mal nach Litauen zu reisen. Blauer Himmel, gute Laune, pure Idylle. Wir machen ja Urlaub. Nicht mehr und nicht weniger.

Aber machen freie Fotografen – also Künstler – überhaupt Urlaub? … (da die immer nur auf dem Rücken liegend in die Sonne blinzeln und auf Inspiration warten, ist da Urlaub überhaupt nötig?) Tatsächlich hat Torsten Köster zwar eine fotografische Ausbildung gemacht, lebt aber vorsichtshalber von einem ›anständigen‹ Beruf. … der so ›real‹ ist, dass er zum Ausgleich fotografieren muss.

In den letzten Monaten habe ich von einigen – überwiegend Street-Fotografen – gehört, dass sie Fotografie zur Entspannung betreiben. ›Meditation‹. ›… wie Angeln‹, ›wegtauchen …‹. Auch Berufsfotografen gehen mit der Kamera ›angeln/jagen‹. Abseits der Brot- & Butter-Aufträge geben sie sich ihrer freien Intuition hin: sie steigern das Erlebnis durch Fotografieren. Orte noch intensiver zu erfassen, zu berühren und auch die Möglichkeit der Rückschau zu haben, ist das Ziel. »Oft mache ich mir Notizen per Hand (die ich meist später gar nicht mehr lesen kann), weil manuell Erfasstes das Erinnerungsvermögen animiert. Nicht nur, um es wieder hervorzuholen sondern auch, um sich inspirieren zu lassen.« Fotografie als Erlebnis-Booster …

 

Die Suche nach Motiven ist auch ein spannender Fährtenhund. Dabei hilft dieser Instinkt vom Weg abzukommen und andere Blickwinkel einzunehmen: Das Bemühen um ein vollständiges Bild einer Sache, führt auch dazu die Dinge mal von hinten zu betrachten. Das mag nicht immer schön sein … es hilft aber, das Ganze etwas besser zu verstehen. Torsten Köster richtet immer wieder den Blick auf das normale Menschsein, auf Gesten und Gepflogenheiten, die nicht zur touristischen Fassade passen, aber ein Gefühl für Land und besonders Leute vermitteln.

 

Dabei ist natürlich nicht jeder Blick und jedes Bild ungefilterte Neugier. Ein Teil unserer inneren Motivsteuerung hat natürlich auch mit dem zu tun, was wir als Wissen in uns tragen … Politik und Geschichte steuern unsere Kamera; besonders, wenn man sich an einem Ort befindet, der sich im Erlebenszeitraum vieler Leser vom kalten Feindbild zum EU-Partner gewandelt hat. Gibt es noch Spuren der Fremdherrschaft? … und wie wird damit umgegangen? … kann man die Sorge der hier Lebenden erkennen, dass diese Vergangenheit sich wiederholen könnte? Torsten spricht zwar – ganz Urlauber – eher lässig vom ›postsozialistischem Charme‹ als wäre das eine Veredelung für Hipster-Fotos, aber die Bilder, die er gemacht hat, sprechen da ganz die Sprache von latenter Angst und keimender Hoffnung.

Ambitionierte Reisefotografie ist also ohne Frage der Spiegel einer intensiven Zeit. Für sich selbst und besonders auch für andere. Auf die Frage, wie er denn diese Bilder jenseits seines > Blogs bzw. seiner > Internetsite aufarbeitet, kam aber dann bei mir immerhin etwas ›postsozialistischer Charme‹ auf:
Im Nachgang entsteht zu jeder Reise ganz klassisch ein Fotoalbum. Artig geklebt. Nicht beim Anbieter des Vertrauens im chicen Leineneinband bestellt, sondern ganz analog layoutet. Das verwunderte mich bei einem Fotografen, dessen Bilder in Büchern und auf Ausstellungen vertreten sind, doch reichlich. Aber die Erklärung ist einleuchtend. Torstens Frau, die diesen Aufgabe erledigt, ist im Realberuf Redakteurin/Journalistin und agiert dort am Rechner mit Daten und Pixeln. Zur Entspannung wird dann der Urlaub lieber analog nachgeholt …

P. S. … wer genau hinsieht, der wird entdecken, dass Torsten Köster für dieses Album auch viele klassisch-schöne Erinnerungsfotos gemacht hat. Dass ich für diesen Bericht die eher ungewöhnlichen Reisebilder ausgesucht habe, zeigt – wie das immer so ist – nur eine Seite der Medaille.